Jeden Freitag ne Demo

Solltet Ihr Freitagmittags mal gelangweilt sein, dann schaut doch einfach in Scheich Jarrah mal zur allwöchentlichen Demo vorbei. Die Volksfeststimmung vor Ort bietet allen etwas: ultra-militante Siedler, viele Polizisten, Anarchisten, Rentner und berühmte Schriftsteller wie David Grossmann, und natürlich unzählig viele Journalisten aus aller Welt, die verzweifelt nach Interviewpartnern suchen. Nur Palästinenser findet man wenig hier, sieht man mal von dem Maisverkäufer und ein paar Jungens ab, die fröhlich trommeln oder Stinkbomben in die Menge werfen.

Palästinensische Kinder trommeln in der Demo ist zwar laut, aber weitaus angenehmer als die Stinkbomben

Palästinensische Kinder trommeln in der Demo ist zwar laut, aber weitaus angenehmer als die Stinkbomben

Wenn Ihr mehr zum Hintergrund dieser Demos wissen wollt, schaut hier auf meiner Homepage vorbei. Ein bisschen Geschichte in anderem Kontext…


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Und immer wieder Essen….

Die Altstadt von Jerusalem ist immer für Überraschungen gut, sogar kulinarische. Vor allem im jüdischen Viertel findet man hier hauptsächlich billige Imbissstuben: Hummus, oder noch schlimmer: Pizza! Die meisten Restaurants sind völlig überteuerte Touristenfallen, vor denen man sich sehr in Acht nehmen sollte.

Restaurant Between the Arches von oben gesehen

Aber hier und da haben mutige Unternehmer selbst in der Altstadt Jerusalems beachtenswerte Restaurants eingerichtet. “Between the arches” ist eines der Etablissements, die man aufsuchen sollte.

Restaurant Between the Arches von oben gesehen

Auf ersten Blick erscheint die alte, umgebaute Zisterne wie eine weitere Touristenfalle. Hohe Preise, laute Atmosphäre, Fertigdesserts in der Kühltheke. Aber weit gefehlt. Das Essen ist hier so authentisch wie die Wände, die aus der Zeit der Mamluken stammen. Zu denen werde ich übrigens in einem anderen Blog mehr schreiben. Ich habe ja noch nicht einmal die Christen zu Ende besprochen…

Die hohen Preise erweisen sich als Täuschung: Sie sind nur zu teuer, wenn jeder allein eine Mahlzeit bestellt. Das sollte man hier auf keinen Fall tun, außer man besitzt das Aufnahmevermögen eines ausgehungerten Elefanten oder hat Spass daran, schwere Doggybags mit sich durch die Altstadt aufs Hotelzimmer zu schleppen. Auf jeden Fall teilen, und zwar MINDESTENS zu zweit, wenn nicht gar zu dritt, und schon sind die Preise mehr als fair, der Magen voll, und die Stimmung zufrieden. Die Bilder sollten ausreichen, um Euch Apettit zu machen.

Hauptspeise Lachs in Teriyaki Sauce

Hauptspeise Lachs in Teriyaki Sauce

Wirklich üppige Vorspeisen wie diese Foccacia sind ein Markenzeichen hier

Wirklich üppige Vorspeisen wie diese Foccacia sind ein Markenzeichen hier

Between the arches ist ein koscheres Restaurant direkt neben der Klagemauer, an der Grenze zum muslimischen Viertel. Also sucht es nicht an Feier- oder Samstagen auf. Auch an anderen Tagen ist sehr empfohlen, vorher anzurufen. Sehr oft speisen hier geschlossene Gesellschaften. Juden aus den USA und Frankreich buchen hier Monate im Voraus den ganzen Raum für ihre Barmitzvah Feiern. Glaubt mir, nichts ist frustrierender als nach einem langen Marsch durch die Altstadt hungrig vor geschlossenen Türen zu stehen und die Düfte, die aus dem Innern herausströmen, nur riechen zu dürfen!

Die al Aqsa Moschee im Sonnenuntergang

Die al Aqsa Moschee im Sonnenuntergang

Nach dem Essen kann man bequem zurück zur Klagemauer gehen, oder das Museum zu Fuße des Tempelbergs besuchen, oder einfach nur nach Hause fahren, um die Mahlzeit zu verdauen.

Beteavon!


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Abgelegt unter: Allgemein — gilyaron @ 14:59 Kommentare (0)


Auschwitz in Jerusalem

Die Außenansicht zeigt ein kleines, zweistöckiges Häuschen, umgeben von hohen Bäumen und einem kleinen Gärtchen mit Sitzbänken, auf denen sich die Mitarbeiter ausruhen können. Die Planzeichnung wirkt idyllisch, wäre da nicht der große Schornstein, der in die Höhe ragt. Erst ein Blick ins Innere zeigt, dass es sich bei dem Gebäude nicht um einen Bauernhof, sondern eines der Krematorien von Auschwitz-Birkenau handelt. Mehr als eine Million Menschen, die meisten davon Juden, wurden im größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Dank einer Schenkung der BILD-Zeitung des Axel-Springer Verlags werden die Pläne von nun an in der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgestellt. „Architektur des Mords“ heißt die Ausstellung, in der die Pläne der Tötungsstätte erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Sie wurde gestern anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages am 27. Januar feierlich eröffnet.

Yad Vaschem Direktor Avner Schalev in der neuen Ausstellung

Yad Vaschem Direktor Avner Schalev in der neuen Ausstellung

„Ich bin sehr froh, dass die Pläne endlich hier sind. Ich glaube nicht, dass es einen besseren Platz für sie gibt, als diese einzigartige Gedenkstätte Yad Vaschem“, sagte BILD-Chefredakteur Kai Diekmann bei der Eröffnungszeremonie, zu der neben Premierminister Benjamin Netanjahu und zahlreichen Ministern auch Holocaustüberlebende, Akademiker und Vertreter des diplomatischen Corps erschienen waren. Obschon die Nazis kurz vor Kriegsende versucht hatten, alle Beweise ihrer Gräueltaten zu beseitigen, fand die Rote Armee die Pläne. Während des Kalten Krieges wurden sie der Staatssicherheit der DDR übergeben. Nach der Wende galten sie als verschollen, bis sie dem Axel Springer Verlag zum Kauf angeboten wurden. Nachdem das BKA und das Bundesarchiv deren Authenzität bestätigt hatte, übergab Springer die Pläne vor einem Jahr Israels Premier Netanjahu.

„Die Pläne sprechen nicht, aber von den Wänden schreit der Schrecken. So einfach wie diese Zeichnungen wirken, so teuflisch ist die Tat, die sie planen“, sagt Yad Vaschem Direktor Avner Schalev. Die säuberlichen Entwürfe, manche von Reichsführer-SS Heinrich Himmler persönlich gegengezeichnet, seien das Resultat einer diabolischen Weltanschauung, die „die modernsten Mittel ihrer Zeit in den Dienst des Zivilisationsbruchs stellte.“ Auschwitz stelle den Übergang von der massenhaften Tötung vieler Juden zur systematischen, industriellen Vernichtung des jüdischen Volkes dar, sagte Schalev. Der Schrecken steckt im Detail. „L. Keller“, steht auf dem Plan für das Krematorium, der von einem polnischen Häftling gezeichnet wurde – Leichenkeller. Eine Rutsche wurde zwischen den Treppen eingeplant, um die Leichen der vergasten Juden auf diese Art zu den Öfen zu befördern. Beweis dafür, dass die Architekten der SS genau wussten, zu welchem Zweck sie die Anlage in Auschwitz planten. „Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein Architekt sich weigerte, weitere Vernichtungslager zu entwerfen“, sagt Schalev.

Detailansicht des Krematoriums

Detailansicht des Krematoriums

Für Israelis hat die Ausstellung anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar eine besondere Bedeutung. Eine Studie der Jewish Agency spricht von einer rasanten Zunahme antisemitischer Vorfälle im Jahr 2009, der höchsten Zahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Gegen die Leugner historischer Verbrechen muss genau auf dieselbe Art vorgegangen werden wie in einem Gerichtsverfahren – mit Beweisen“, sagte Premier Netanjahu. Zeitzeugen allein reichten nicht aus, deswegen seien die Pläne von Auschwitz so wichtig. Der neue Antisemitismus äußere sich oft als Hass gegen Israel. Klar brachten die Redner ein Gefühl der Bedrohung durch den Iran, der wiederholt die Vernichtung Israels gefordert hat, zum Ausdruck: „Wenn wir eins gelernt haben ist es, dass man Drohungen ernst nehmen muss“, sagte Bildungsminister Gideon Saar. „Die Welt muss das Böse konfrontieren wenn es noch klein ist“, forderte auch Netanjahu: „Man sollte daran denken, dass Pogrome zwar oft mit Juden beginnen, aber nicht aufhören.“


Abgelegt unter: Allgemein — Tags:, , — gilyaron @ 06:06 Kommentare (0)


Die andere Wange?

Nach den kulinarischen Auslfügen ist es mal wieder Zeit für ein wenig Geschichte…

Wir waren bei der Wiedererrichtung des Grabeskirche stehengeblieben. Ich bin aber Beispiele für die christliche Intoleranz vor Ort schuldig geblieben. Also hier ein paar kleine Details…

Als die Kirche 1808 abbrannte, wurde den Griechen im Gegenzug für ein Bestechungsgeld in Höhe von 2,2 Millionen Rubel das Recht von den Osmanen erteilt, die zerstörte Rotunde zu restaurieren. Das Bestechungsgeld übertraf die Kosten für die Restauration um das doppelte. Die Griechen nutzten das Privileg jedoch nicht nur, um den Ort wieder für Gläubige begehbar zu machen, sondern ergriffen vielmehr die Gelegenheit, um jede Erinnerung an die Kreuzfahrer in der Kirche auszulöschen. So wurden die Beschriftungen auf den steinernen Sarkophagen der Kreuzritter glatt geschliffen, jede Erinnerung an die westkirchlichen Wurzeln in der Kirche sollte ausgemerzt werden.

Es verwundert deswegen kaum, dass die Engländer zur Mandatszeit eine ganze Kompanie der Polizei anrücken ließen, als nahe dem Eingang zur Kirche der Grabstein des Kreuzfahrers Philip d’Aubigny, eines Unterzeichners der Magna Charta, entdeckt wurde. Dieser letzte Grabstein eines Kreuzfahrers musste vor den aufgebrachten griechischen Mönchen gerettet werden, damit sie nicht auch dieses Überbleibsel fremder Präsenz in «ihrer» Kirche zerstörten.

Die Unfähigkeit der verschiedenen Kirchen, sich zu einigen, erreicht nicht selten groteske Ausmaße. Jede Fraktion behauptet, im Besitz der originalen «Qualensäule» zu sein, an der Jesus gefesselt war und vor der Kreuzigung ausgepeitscht wurde. Über dem Eingang zur Kirche befindet sich auf einer Terrasse eine hölzerne Leiter, die schon 1842 in einem Kupferstich festgehalten wurde. Niemand darf sie bewegen, weil man sich nicht darauf einigen kann, wohin und wem sie gehört. Eine Theorie zur Leiter behauptet allerdings, dass die Leiter absichtlich von den armenischen Priestern vor Ort belassen wurde. Die durften nämlich bis 1852 nicht den Ausgang benutzen, der von der Griechen beherrscht wurde. Sie mussten deswegen den haarsträubend gefährlichen Weg durchs Fenster und die hölzerne Leiter nehmen. Erst als die Osmanen die auchg heute gültigen Nutzungsrechte im Status Quo festhielten, konnten die Armenier wieder ungestört die Kirche verlassen. Sie ließen aber die Leiter weiterhin auf dem Fenstersims stehen, um an die griechisch-orthodoxe Intoleranz zu erinnern.

In einer Frage waren sich die christlichen Gruppen allerdings einig: Juden hatten zur Kirche bis 1967 offiziell keinen Zutritt. Bei einer Überschreitung dieses Verbots drohte ihnen die Todesstrafe.




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