Das Nicäische Konzil

Der Stein in der Grabeskirche, auf der Jesu Leibnam gesalbt und gewaschen worden sein soll

Der Stein in der Grabeskirche, auf der Jesu Leibnam gesalbt und gewaschen worden sein soll

Nach dem Ausflug in andere Zeitzonen, nun wieder eine Zeitreise zurück zu den Anfängen des Christentums

Um die Kirche als Machtinstrument zu nutzen musste Konstantin sie erst einmal vereinheitlichen. Christen waren in theologischen Fragen zutiefst zerstritten. Manichäer, Donatisten und Arianer, um nur wenige Gruppen zu nennen, rangen miteinander über das Wesen Jesu und das des heiligen Geistes, immer mehr Gruppen spalteten sich ab. Diesen Streit wollte Konstantin beenden. Noch während er im Edikt von Mailand für Toleranz plädiert hatte, war er bereits 313 darum bemüht, andere Strömungen innerhalb der Kirche abzuschaffen. In einem Brief an seinen Präfekten in Afrika gab er den Befehl, gegen Donatisten vorzugehen, da Gottes Gnade nur auf ihm ruhen werde, wenn «ich sehe, dass alle den heiligsten Gott im wahren Kult der katholischen Religion anbeten».

Nachdem er alle politischen Kontrahenten eliminiert hatte, machte Konstantin sich deswegen daran, «seine» Kirche zu ordnen. Anfangs ließ er heidnische Tempel niederreißen und raubte ihre Schätze. Im Jahr 325 rief er das erste Konzil von Nicäa ein (heute Iznik in der Türkei) ein, zu dem mehr als 250 Bischöfe, darunter Konstantins Biograph Eusebius, erschienen. Sie sollten eine einheitliche Theologie festlegen, wie sie das Bekenntnis von Nicäa dokumentiert. Von nun an wurden diejenigen, die nicht an das katholische Dogma glaubten, mit dem Bann belegt. Auch gegen das Judentum wollte Konstantin sich abgrenzen. Das Konzil legte fest, dass Ostern nicht mehr in derselben Woche wie Passah gefeiert werden durfte.

Konstantin hinterließ seinen Nachfolgern ein vereintes und gestärktes Reich. Neben seinen wichtigen militärischen Siegen führte er viele Reformen ein. So erklärte er den Sonntag zum Ruhetag, im beabsichtigten Gegensatz zum Samstag der Juden. Er verbot die grausamen Gladiatorenkämpfe und bestrafte jeden mit dem Tode, der zuviel Steuern eintrieb. In seinem persönlichen Leben verhielt er sich allerdings unchristlich: Er ließ seine Frau, seinen Sohn und dessen Frau und Kinder ermorden. Von der griechisch-orthodoxen Kirche wird der Kaiser trotz dieser Gräueltaten bis heute als Heiliger verehrt. Der Vatikan führt ihn zwar in seinem Kalender auf, hat ihn aber nicht heilig gesprochen. Ob dies auf seinen unchristlichen Lebensweg zurückzuführen ist, oder darauf, dass Konstantin das Zentrum seines Reiches von Rom nach Byzanz verlegte, ist nicht gesichert.




Jeder zu seiner Zeit

In Jerusalem leben die Menschen nicht nur in unterschiedlichen Stadtvierteln, sondern auch in verschiedenen Zeitzonen. Religion wird am Zifferblatt erkenntlich.

Rund ein Monat vor der westlichen Welt wird Israel seine Uhren am Sonntag wieder auf Winterzeit umstellen. Die chronologische Eigenbrötelei ist im Nahen Osten kein Sonderfall: In vielen muslimischen Staaten wurden die Zeiger schon Anfang September um eine Stunde vorgestellt. In gemischten Städten wie Jerusalem ergeben sich dabei absurde Situationen.

Im September lebten die Bewohner dieser Stadt, die so groß ist wie Kiel, in drei verschiedenen Zeitzonen. Viele gläubige Muslime hatten bereits am 4. September ihre Uhren zurückgestellt, als es bei ihren jüdischen Nachbarn noch eine Stunde später war. Aber nicht alle. Wer im israelischen Jerusalem arbeitete behielt oft die israelische Zeit bei, wer im nahen palästinensischen Ramallah Anstellung hat, verschob die Zeiger seiner Uhr. Bei jeder Verabredung musste man sich deswegen vergewissern, in welcher Zeitzone sich das Gegenüber befand. Ab Sonntag wird die Lücke geschlossen, wenn auch das jüdische Israel ein Monat vor dem Rest der Welt auf Winterzeit umsteigt.

Dennoch werden die Zeitunterschiede nicht vollends aus Jerusalem verschwinden. In den Kreisen der ultra-orthodoxen „Eda Haredith“ geht das ganze Jahr über die Uhr viereinhalb Stunden vor. So will die extremistische, anti-israelische Splittergruppe demonstrieren, dass sie den Staat Israel grundsätzlich nicht anerkennt. Schon der erste britische Militärgouverneur Ronald Storrs hatte also vor rund 90 Jahren Recht als er behauptete, Jerusalem sei der einzige Ort auf der Welt, an dem man sich frei aussuchen könne, in welchem Jahrhundert man leben will.

Ursache für diese Unterschiede sind die religiösen Feiertage. Muslime feierten im September den Fastenmonat „Ramadan“. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist die Nahrungsaufnahme verboten. Verschiebt man die Uhr, kann man so eine Stunde später zur Arbeit gehen und eine Stunde früher wieder Abendbrot essen. Bei den Israelis ist der Grund derselbe: Am Montag feiern Juden in aller Welt den Versöhnungstag „Jom Kippur“, den höchsten Feiertag des jüdischen Kalenders, der ebenfalls ein Fasttag ist. Um die Tortur zu verkürzen, stellt ganz Israel auf Winterzeit um, selbst wenn das die Wirtschaft jedes Jahr Millionen kostet und vor allem bei Säkularen Israelis heftig umstritten ist. Die fühlen sich durch die frühzeitige Zeitumstellung einen Monat lang einer Stunde Tageslicht beraubt.




Das Toleranzedikt von Mailand

Ein Jahr nach der Schlacht an der Milvischen Brücke sicherte Konstantin dem Christentum bereits eine Vormachtstellung. Im Toleranzedikt von Mailand, das er gemeinsam mit seinem Schwager Licinius, dem Kaiser Ostroms, im Jahr 313 verfasste, hieß es, man wolle «vor allem die Verehrung [reverentia] der Gottheit regeln. Wir wollen deshalb sowohl den Christen als auch überhaupt allen Menschen freie Vollmacht gewähren, der Religion [religio] anzuhängen, die ein jeder für sich wählt, damit die Gottheit auf ihrem himmlischen Throne - was immer ihr Wesen sein mag - uns und allen unseren Untertanen friedlich und gnädig gesinnt sein kann. [...] Keinem Menschen soll die Möglichkeit verweigert werden, sein Herz entweder dem Kult [observatio] der Christen zu weihen oder aber der Religion [religio], die er selbst für die angemessenste hält. So kann uns die höchste Gottheit, nach deren Verehrung [religio] wir mit freiem Herzen streben, in allen Dingen wie bisher gnädig und gewogen bleiben. [...] Bezüglich der Christen erlassen wir folgende Bestimmung: Wer die Stätten, an denen sie zu früheren Zeiten zusammenzukommen pflegten…, in der Zwischenzeit [...] erworben hat, der muss sie den Christen unentgeltlich und ohne Rückforderung des Kaufpreises unverzüglich und ohne jede Einschränkung zurückgeben. [...] Diejenigen, die die Stätten gekauft oder als Geschenk erhalten haben, [...] mögen sich an den zuständigen Statthalter wenden, damit auch sie die Fürsorge unserer Milde erfahren.» Kaiser Konstantin - Schutzherr der Christen

Nur augenscheinlich handelte es sich um ein allgemeines Toleranzedikt: Faktisch ebnete Konstantin damit nur dem Primat des Christentums den Weg, der einzigen Religion, die im Edikt namentlich genannt wurde. Den Juden wurde fortan verboten, ihre Religion zu verbreiten.

Konstantins Ambitionen reichten indes weiter. Er wollte nicht nur das Westreich beherrschen, und dazu musste er seinen Schwager Licinius aus dem Weg räumen. Für den Krieg gegen ihn lieferte 315 die Verletzung der Statuten des Edikts einen wunderbaren Vorwand. Im Jahr 324 besiegte Konstantin Licinius in der Schlacht von Chrysopolis. Jetzt war er alleiniger Herrscher des Römischen Reiches. Und erstmals wurde er zu einem öffentlich sich bekennenden Verfechter des Christentums. Wie stark Konstantins Glaube an Christus war ist heute Gegenstand von Historikerdiskussionen. Sein Verhalten könnte auch politische Beweggründe gehabt haben. Christen machten zu Beginn seines Machtkampfes bereits etwa 10% der Bevölkerung des römischen Reiches aus, die etwa 50-60 Millionen zählte. Christen waren eine gut organisierte Minderheit und über das ganze Reich verteilt, eine gute Machtbasis für einen Herrscher mit großen Ambitionen. Sicher scheint, dass Konstantin in einem einheitlichen Glauben ein effektives Instrument zur Sicherung seiner Macht sah. Genau so, wie Josia einst den einheitlichen Tempelkult in Jerusalem als identitätsstiftendes Element erkannte, so wollte Konstantin vielleicht den neuen Glauben dazu nutzen, um sich selbst an die Spitze einer umfassenden neuen Hierarchie zu stellen, schließlich wähnte er sich selbst als Gottes Stellvertreter.

Kaiser Konstantin - Schutzherr der Christen



Selichot

Noch einmal eine kurze Pause in der Geschichte für eine “aktuelle” Entwicklung.

Dieser Tage lohnt es sich wirklich, in Jerusalem zu sein. Kurz vor den Hohen Feiertagen von Rosh Hashana, dem jüdischen Neujahr, und Jom Kippur, dem Versöhnungstag, kommen Juden aus aller Welt nach Jerusalem, um Selichot zu sagen. Selichot sind die Gebete, in denen Juden um Vergebung bitten. Besonders in jetzt könnte das ausschlaggebend sein, bestimmt laut jüdischer Überlieferung doch Gott zu Rosh Hashana das Schicksal einer Person für das kommende Jahr.

Diese Selichot sagt man am besten vor der Klagemauer, und so ist die Altstadt selbst nachts mit tausenden Besuchern gefüllt, die sich einen Weg durch die engen, mittelalterlichen Gassen zur Klagemauer bahnen.

Die Stadtverwaltung hat sogar extra tausende Wunschzettel aus der Klagemauer entfernt, um Platz für neue Bitten zu machen. Aber keine Sorge, angeblich werden die entfernten Zettel in geweihter Erde beigesetzt. Wer nicht selber kommen kann, kann auf der Webseite http://www.slicha.com/faxcotel.asp Gott sogar ein Fax schicken!

Euch lieben Lesern wünsche ich allenfalls ein gutes neues Jahr, oder wie auf Hebräisch üblich

SHANA TOVA VEHAG SAMEAH!


Abgelegt unter: Allgemein — Tags:, , , , , — gilyaron @ 19:21 Kommentare (0)


Die konstantinische Wende

Im Jahr 306 fiel der Cäsarentitel in die Hände eines gewissen 18-jährigen Konstantin. Sein Vater Constantius war während eines Feldzuges in Britannien gestorben. Der junge Herrscher musste sich sogleich gegenüber seinen Rivalen, drei anderen Tetrarchen, beweisen. Wendepunkt in diesem Machtkampf bildete die Schlacht an der Milvischen Brücke in Rom im Jahr 312. Konstantin marschierte gegen Maxentius, der sich in Rom verschanzt hatte. Angeblich, so schrieb wenige Jahre später Eusebius, Kirchenhistoriker und Verfasser einer panegyrischen Biographie Konstantins, hatte Konstantin in der Nacht vor der Schlacht eine schicksalsträchtige Vision: «Der Kaiser sagte dass er ungefähr zur Mittagszeit […] mit eigenen Augen ein Kreuz aus Licht über der Sonne sah, und an dem Kreuz hing eine Inschrift, die da sagte «in hoc signo vinces» [in diesem Zeichen wirst Du siegen]. Bei diesem Anblick [...] waren er und alle seine Truppen [...] von Erstaunen erfasst. [...] dann, in seinem Schlaf, erschien ihm der Christus Gottes mit demselben Zeichen, dass er im Himmel gesehen hatte, und befahl ihm, ein Abbild dieses Zeichens […] als Schutz in allen Gefechten mit seinen Feinden zu benutzen.»

Diese Version stammt vom Nicäischen Konzil, das Konstantin gut zehn Jahre später einberief. Inzwischen hatte sich auch eine andere Legende breit gemacht. Demnach hatte Konstantin das Labarum im Himmel gesehen. Es besteht aus den griechischen Buchstaben Chi und Ro, die den Anfang des Wortes «Christus» bilden. Es ist bis heute auf einigen Gebäuden in Jerusalem, wie im Russian Compound, zu sehen.

Ein Labarum auf einem Gebüude des Russian Compound

Ein Labarum auf einem Gebäude des Russian Compound

Der ambitionierte Kaiser befahl seinen Soldaten, die der Legende nach einer gewaltigen Übermacht gegenüber standen, das Kreuz auf ihre Schilde zu malen. Am Tag darauf war Konstantin in der Schlacht erfolgreich. Seinen Gegner und Schwager Maxentius soll er dabei eigenhändig in den Tiber gestoßen haben. Konstantin wurde zum alleinigen Herrscher des Westreiches, und zu einem wichtigen Verbündeten der bisher verfolgten Christen. Zum Christ wurde Konstantin, entgegen der traditionellen Darstellung, damit noch lange nicht. Vielmehr hielt er weiterhin an der heidnischen Tradition des römischen Reiches fest. Die Inschrift auf seinem Triumphbogen, errichtet drei Jahre nach der Schlacht an der Brücke, sprach von einem «Sieg durch Inspiration der Gottheit»; von Christus keine Spur. Konstantin selber konvertierte erst, wie zu seiner Zeit üblich, auf seinem Sterbebett zum Christentum. Zeit seines Lebens behielt er den Titel Pontifex Maximus, Herr der römischen Staatsreligion. Bis zum Jahr 321 wurde auf seinen Münzen «Sol Invictus», der «unbesiegbare Sonnengott», verehrt. Dies war nicht der Christengott, auch wenn manche Forscher im Sol-Kult eine Vorstufe des Monotheismus sehen.

So war Konstantin, anders als oft angenommen, nicht der erste christliche Kaiser, er machte das Christentum auch nicht zur Staatsreligion. Dies blieb Theodosius I. überlassen, der dem Christentum im Jahre 380 den Vorzug vor allen anderen Religionen gab. Trotzdem leitete Konstantin eine Wende ein, die die Dominanz des Christentums begründete.




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