Institutionalisierter Kirchenhass

So, nachdem sich die aktuellen Angelegenheiten in Jerusalem beruhigt haben (wahrscheinlich nur kurzfristig, aber immerhin), können wir wieder gemüsslich zurück in die Geschichte blicken.

Wir haben mit der Kirchengeschichte aufgehört, als Helena das Heilige Kreuz fand, indem sie seinen geheimen Aufbewahrungsort aus einem Juden herausfoltern ließ. Jetzt begann eine institutionalisierte Hetzkampagne gegen die Juden.

Im Jahr 337 durften Christen keine Juden mehr heiraten, 339 war der Übertritt zum Judentum strafbar. Christen wurde es verboten, von Juden ungesäuertes Brot entgegenzunehmen. Bischof Johannes Chrysostomos von Antiochien wetterte zwanzig Jahre später: «Eine Synagoge ist nicht nur ein Hurenhaus und ein Theater; sie ist eine Diebeshöhle, ein Lieblingsplatz wilder Tiere».

Schon 388 griff ein Mob, angeführt vom Bischof von Callinicus, die dortigen Juden an. Ambrosius drohte dem Kaiser mit dem Bann, falls er die Juden entschädigte. Im Jahr 414 löschte ein Pogrom die Gemeinde in Alexandria aus.

Augustinus von Hippo (354-430) legte mit seinen Schriften die theologische Grundlage für die Beziehungen zwischen Kirche und Juden bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Demnach waren die Juden allesamt am Tod Jesu schuld. Doch man dürfe Juden nicht töten. Papst Gregor I. (590-604) fasste dieses Urteil in ein Dekret. Die Juden sollten nicht ausgelöscht werden, sie hatten eine wichtige theologische Aufgabe zu erfüllen: durch ihr anhaltendes Elend sollten sie der lebende Beweis dafür sein, dass nur wer Christus anerkennt, Heil erfahren kann.




Link für Euch

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Bis bald!


Abgelegt unter: Allgemein — gilyaron @ 15:00 Kommentare (0)


Jerusalem in muslimischen Augen - Muhammad macht den Anfang

Während das christliche Byzanz und das zoroastrische Persische Reich einander in einem Jahrhunderte andauernden Existenzkrieg erschöpften, entstand in der Halbinsel Arabiens eine neue Religion, die die Welt verändern sollte. Der Endkampf zwischen Khosrau II. und Heraklius endete nicht nur mit der vernichtenden Niederlage der Perser – auch Byzanz wurde vom Kampf ausgeblutet, die besetzten Völker mit Steuern für den Krieg ausgesaugt. Dies alles bereitete der kleinen Gefolgschaft Muhammads kurze Zeit später den Weg, um einen der erfolgreichsten Eroberungsfeldzüge in der Geschichte der Menschheit zu starten. Niemals wieder sollten so wenige Männer ein so großes Gebiet in so kurzer Zeit in ihre Gewalt bringen.Nach knapp 100 Jahren waren die Muslime von den Tälern Frankreichs bei Poitiers bis in das Mündungsgebiet des Indus in Zentralasien vorgedrungen.

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Jerusalem ist eine der wenigen Eroberungen, die für den Islam eine Sonderrolle übernehmen sollten. Es gilt heute nach den Städten Mekka und Medina als drittheiligster Ort auf Erden. Die Frage über die politische Herrschaft in Jerusalem mobilisiert die Massen in der gesamten islamischen Welt. In den Augen der Muslime ist der Begriff Jerusalem identisch mit der Altstadt und dem Haram Asch-Scharif, dem «gewürdigten Heiligtum». Der Begriff bezieht sich auf das Areal des Tempelbergs, auf dem heute der Felsendom und die al-Aqsa Moschee stehen. Für viele ist die Frage Jerusalems und besonders der Moscheen auf dem Haram gleichbedeutend mit Palästina geworden. Jerusalem ist nicht nur ein religiöses Zentrum: Es ist der urbane Mittelpunkt der Westbank und fungiert als politischer, wirtschaftlicher und geistiger Nabel des palästinensischen Volkes. So erklären Palästinenser freimütig: «Ohne Jerusalem wäre das Palästinenserproblem in den Augen der Araber völlig unwichtig.»




Unruhen auf dem Tempelberg - mal wieder

Leider muss ich eine kleine Pause mit meinen historischen Ausflügen machen, die aktuelle Lage zwingt mich dazu.

Wir Ihr vielleicht wisst, heizen Extremisten auf israelischer und palästinensischer Seite seit Wochen die Stimmung in Jerusalem an. Am Morgen kam es deswegen wieder zum Ausbruch von Gewalt. Israelische Polizisten wurden von Jugendlichen mit Steinen und einem Brandsatz angegriffen, daraufhin drangen sie in das Areal des Tempelbergs ein und nahmen 12 Palästinenser fest. Damit beruhigte sich die Lage aber nur kurzfristig, die Polizisten drangen später wieder unter Einsatz von Gewalt in das Gebiet des Haram a-Scharif, dem Tempelberg, ein, allerdings ohne in die al-Aqsa Moschee vorzustossen. Der Berg wurde von muslimischen Betenden geräumt.

So gern würde ich Euch jetzt ganz kurz erzählen, warum das Areal Juden und Muslimen als heilig gilt. Das erschöpfend und ausführlich zu tun, dafür werde ich noch ein paar Blogs benötigen. Vor zweitausend Jahren stand hier der jüdische Tempel, heute befindet sich hier die Al Aqsa Moschee, der drittheiligste Ort des Islams.

Heute steht die Kampagne um den Tempelberg im Mittelpunkt des Kampfes zwischen Israelis und Palästinensern, seine symbolische Bedeutung wird von beiden Seiten ständig weiter erhöht.

Seit Wochen fordern jüdische Extremisten mehr Rechte auf dem Berg. Islamisten haben eine Gegenkampagne gestartet und die Massen aufgerufen, die Moschee durch ihre Anwesenheit zu schützen. Im Jahr 2000 lösten Unruhen auf dem Tempelberg einen Aufstand der Palästinenser, die zweite Intifada aus, bei der mehr als 5000 Menschen ums Leben kamen. Also schaut aufmerksam weiter, was hier geschieht! Es könnte Konsequenzen für die gesamte Region haben.

Trotzdem will ich aber nicht, dass Ihr heute leer ausgeht. Deswegen ziehe ich heute eine Einführung über den Islam vor, wir machen später, je nach aktueller Lage, mit dem Christentum weiter. Viel Spass!




Juden als Feinde Christi

Manche Historiker verbinden mit dem Bau der Grabeskirche einen zentralen Aspekt der konstantinschen Wende. Das Christentum verwandelte sich von einer Religion der Verfolgten zu einem Machtinstrument des Kaisers. Dies veränderte auch den Charakter des Glaubens und sein Verhältnis zum Judentum.

Das Martyrion auf dem Golgathahügel in der Grabeskirch

Das Martyrion auf dem Golgathahügel in der Grabeskirche

Bis zum Bau der Grabeskirche und ihrer Einweihung unter Konstantin im Jahr 335 stand das Grab Christi und die Auferstehung im Mittelpunkt des Glaubens. Konstantin verlegte das Zentrum von der Anastasis zum Martyrion. Nicht mehr das Wasser der Auferstehung, sondern das Kreuz der Passion wurde zum zentralen Symbol des Jesus-Kults. Das hatte zwar den erfreulichen Nebeneffekt, das Konstantin fortan die Kreuzigung als Strafe in seinem Reich verbot. Für die Juden hingegen begann mit der Errichtung der Grabeskirche eine 1700 jährige Verfolgungsgeschichte. Denn damit, dass der Tod Jesu die Auferstehung überschattete, verbreitete sich auch die Auffassung, Juden seien Gottesmörder.

Schon die Evangelien machten die Juden, nicht Pilatus, für Jesus Tod verantwortlich. Die Kritik der Apostel im ersten Jahrhundert kam aber von innen. Sie sahen sich selbst als Juden, und verurteilten ihre Glaubensbrüder dafür, dass sie Jesus nicht annahmen. Als Heiden zu Christen wurden, wurde aus dem Bruderzwist tödliche Polemik. Es entstanden Legenden, dass die Juden das wahre Kreuz nach der Hinrichtung Jesu versteckt hätten. Das Kreuz galt dem Bischof von Milano Ambrosius (339-397) als Sinnbild der Niedertracht der Juden. Gemeinsam mit dem Kreuz hatten sie ihr Verbrechen verbergen wollen. Nur Dank schwerer Folter habe Helena einem Juden «das letzte Geheimnis seines Volkes» entreißen können. Damit sei die Hoffnung der Juden vernichtet.




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