Vortragsreise

Hallo, ich bin gerade auf einer Vortragsreise, deswegen kurze Pause im Blog.Geht bald weiter.
Gil


Abgelegt unter: Allgemein — gilyaron @ 13:25 Kommentare (1)


Die Grabeskriche - Zentrum des Christentums

Es ist ein Paradox der Geschichte, dass gerade das Gebäude, das Konstantin als Wahrzeichen seines unter ihm geeinten Christentums errichten ließ, heute die tiefe Spaltung unter den Christen symbolisiert. Sechs christliche Gemeinschaften erheben hier Anspruch darauf, die einzig «wahrhaftige» Vertreterin des Glaubens zu sein: Griechisch-Orthodoxe, Armenier, die römisch-katholischen Franziskaner, Kopten, Syrer und Äthiopier.

Der Omphalos - der Nabel der Welt

Der Omphalos - der Nabel der Welt, im griechisch-orthodoxen Teil der Kirche. Man kann ihn übrigens verschieben.

Eifersüchtig ringen sie um jeden Zentimeter in der Grabeskirche. Um die häufigen Streitereien auf ein Minimum zu beschränken, zwang Sultan Abdülmecid 1852 allen Seiten den «Status Quo» auf, ein mehrerer hundert Seiten langer Kodex, der mit akribischer Genauigkeit vorschreibt, wer wann und wo beten darf. Doch selbst mit dem heute noch gültigen Status Quo können immer noch Konflikte entstehen, weil beispielsweise ein äthiopischer Mönch eine Treppe kehrt, die eigentlich die Griechen sauber halten sollen. Noch im Jahr 2005 führte eine halb geöffnete Tür zu Schlägereien zwischen Franziskanern und Griechisch-Orthodoxen, bei denen ein israelischer Polizist einen Zahn verlor. Bis zum heutigen Tag befinden sich in der Kirche ständig 14 israelische Polizisten im Dienst, um Handgreiflichkeiten unter Priestern, Mönchen und gläubigen Anhängern zu verhindern. Auch in diesem Jahr kam es wiederholt zu Reibereien zwischen den heiligen Männern in der Kirche.

Wie ein armenischer Priester mir hinter vorgehaltener Hand erzählte, müssen die Vertreter dieser Kirche eher mit Muskeln bepackt denn bibelfest sein, um eine Stelle in Jerusalem zu erhalten. So erhofft sich die armenische Kirche einen «handfesten» Vorteil bei den «theologischen» Auseinandersetzungen vor Ort. Auch für anderes unchristliches Verhalten der Mönche vor Ort gibt es Beispiele zuhauf. Manchmal stecken sie dabei mit fragwürdigen Fremdenführern unter einem Hut und lassen Spendengelder in selbst gefertigten Dosen verschwinden. Später teilen Mönch und Führer die «Spendengelder zur Restauration der Kirche» unter sich auf.




Vom Hass zur Bruderliebe

Erst im 20. Jahrhundert und nach dem Zivilisationsbruch der Schoa sollte die katholische Kirche einen neuen Pfad einschlagen. Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete auf Drängen Johannes XXIII. die Erklärung «Nostra Aetate» (In unserer Zeit), die den alleinigen Wahrheitsanspruch des Christentums beendete und einräumte, dass auch anderen Religionen von Gott inspiriert worden seien. Juden seien nicht «von Gott verworfen oder verflucht», ferner könne man die Kreuzigung Jesu «weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen». Damit begann die Kirche einen Schlussstrich unter 1800 Jahre Judenhass zu ziehen. Der historische Israelbesuch Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 machte auch den Juden klar, dass ein neues Kapitel in den schwierigen Beziehungen begonnen hatte, wenn sie auch bis heute noch oft und leicht von Krisen befallen werden.