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26. Januar 2010
Auschwitz in Jerusalem
Die Außenansicht zeigt ein kleines, zweistöckiges Häuschen, umgeben von hohen Bäumen und einem kleinen Gärtchen mit Sitzbänken, auf denen sich die Mitarbeiter ausruhen können. Die Planzeichnung wirkt idyllisch, wäre da nicht der große Schornstein, der in die Höhe ragt. Erst ein Blick ins Innere zeigt, dass es sich bei dem Gebäude nicht um einen Bauernhof, sondern eines der Krematorien von Auschwitz-Birkenau handelt. Mehr als eine Million Menschen, die meisten davon Juden, wurden im größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Dank einer Schenkung der BILD-Zeitung des Axel-Springer Verlags werden die Pläne von nun an in der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgestellt. „Architektur des Mords“ heißt die Ausstellung, in der die Pläne der Tötungsstätte erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Sie wurde gestern anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages am 27. Januar feierlich eröffnet.
„Ich bin sehr froh, dass die Pläne endlich hier sind. Ich glaube nicht, dass es einen besseren Platz für sie gibt, als diese einzigartige Gedenkstätte Yad Vaschem“, sagte BILD-Chefredakteur Kai Diekmann bei der Eröffnungszeremonie, zu der neben Premierminister Benjamin Netanjahu und zahlreichen Ministern auch Holocaustüberlebende, Akademiker und Vertreter des diplomatischen Corps erschienen waren. Obschon die Nazis kurz vor Kriegsende versucht hatten, alle Beweise ihrer Gräueltaten zu beseitigen, fand die Rote Armee die Pläne. Während des Kalten Krieges wurden sie der Staatssicherheit der DDR übergeben. Nach der Wende galten sie als verschollen, bis sie dem Axel Springer Verlag zum Kauf angeboten wurden. Nachdem das BKA und das Bundesarchiv deren Authenzität bestätigt hatte, übergab Springer die Pläne vor einem Jahr Israels Premier Netanjahu.
„Die Pläne sprechen nicht, aber von den Wänden schreit der Schrecken. So einfach wie diese Zeichnungen wirken, so teuflisch ist die Tat, die sie planen“, sagt Yad Vaschem Direktor Avner Schalev. Die säuberlichen Entwürfe, manche von Reichsführer-SS Heinrich Himmler persönlich gegengezeichnet, seien das Resultat einer diabolischen Weltanschauung, die „die modernsten Mittel ihrer Zeit in den Dienst des Zivilisationsbruchs stellte.“ Auschwitz stelle den Übergang von der massenhaften Tötung vieler Juden zur systematischen, industriellen Vernichtung des jüdischen Volkes dar, sagte Schalev. Der Schrecken steckt im Detail. „L. Keller“, steht auf dem Plan für das Krematorium, der von einem polnischen Häftling gezeichnet wurde – Leichenkeller. Eine Rutsche wurde zwischen den Treppen eingeplant, um die Leichen der vergasten Juden auf diese Art zu den Öfen zu befördern. Beweis dafür, dass die Architekten der SS genau wussten, zu welchem Zweck sie die Anlage in Auschwitz planten. „Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein Architekt sich weigerte, weitere Vernichtungslager zu entwerfen“, sagt Schalev.
Für Israelis hat die Ausstellung anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar eine besondere Bedeutung. Eine Studie der Jewish Agency spricht von einer rasanten Zunahme antisemitischer Vorfälle im Jahr 2009, der höchsten Zahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Gegen die Leugner historischer Verbrechen muss genau auf dieselbe Art vorgegangen werden wie in einem Gerichtsverfahren – mit Beweisen“, sagte Premier Netanjahu. Zeitzeugen allein reichten nicht aus, deswegen seien die Pläne von Auschwitz so wichtig. Der neue Antisemitismus äußere sich oft als Hass gegen Israel. Klar brachten die Redner ein Gefühl der Bedrohung durch den Iran, der wiederholt die Vernichtung Israels gefordert hat, zum Ausdruck: „Wenn wir eins gelernt haben ist es, dass man Drohungen ernst nehmen muss“, sagte Bildungsminister Gideon Saar. „Die Welt muss das Böse konfrontieren wenn es noch klein ist“, forderte auch Netanjahu: „Man sollte daran denken, dass Pogrome zwar oft mit Juden beginnen, aber nicht aufhören.“
21. Januar 2010
Die andere Wange?
Nach den kulinarischen Auslfügen ist es mal wieder Zeit für ein wenig Geschichte…
Wir waren bei der Wiedererrichtung des Grabeskirche stehengeblieben. Ich bin aber Beispiele für die christliche Intoleranz vor Ort schuldig geblieben. Also hier ein paar kleine Details…
Als die Kirche 1808 abbrannte, wurde den Griechen im Gegenzug für ein Bestechungsgeld in Höhe von 2,2 Millionen Rubel das Recht von den Osmanen erteilt, die zerstörte Rotunde zu restaurieren. Das Bestechungsgeld übertraf die Kosten für die Restauration um das doppelte. Die Griechen nutzten das Privileg jedoch nicht nur, um den Ort wieder für Gläubige begehbar zu machen, sondern ergriffen vielmehr die Gelegenheit, um jede Erinnerung an die Kreuzfahrer in der Kirche auszulöschen. So wurden die Beschriftungen auf den steinernen Sarkophagen der Kreuzritter glatt geschliffen, jede Erinnerung an die westkirchlichen Wurzeln in der Kirche sollte ausgemerzt werden.
Es verwundert deswegen kaum, dass die Engländer zur Mandatszeit eine ganze Kompanie der Polizei anrücken ließen, als nahe dem Eingang zur Kirche der Grabstein des Kreuzfahrers Philip d’Aubigny, eines Unterzeichners der Magna Charta, entdeckt wurde. Dieser letzte Grabstein eines Kreuzfahrers musste vor den aufgebrachten griechischen Mönchen gerettet werden, damit sie nicht auch dieses Überbleibsel fremder Präsenz in «ihrer» Kirche zerstörten.
Die Unfähigkeit der verschiedenen Kirchen, sich zu einigen, erreicht nicht selten groteske Ausmaße. Jede Fraktion behauptet, im Besitz der originalen «Qualensäule» zu sein, an der Jesus gefesselt war und vor der Kreuzigung ausgepeitscht wurde. Über dem Eingang zur Kirche befindet sich auf einer Terrasse eine hölzerne Leiter, die schon 1842 in einem Kupferstich festgehalten wurde. Niemand darf sie bewegen, weil man sich nicht darauf einigen kann, wohin und wem sie gehört. Eine Theorie zur Leiter behauptet allerdings, dass die Leiter absichtlich von den armenischen Priestern vor Ort belassen wurde. Die durften nämlich bis 1852 nicht den Ausgang benutzen, der von der Griechen beherrscht wurde. Sie mussten deswegen den haarsträubend gefährlichen Weg durchs Fenster und die hölzerne Leiter nehmen. Erst als die Osmanen die auchg heute gültigen Nutzungsrechte im Status Quo festhielten, konnten die Armenier wieder ungestört die Kirche verlassen. Sie ließen aber die Leiter weiterhin auf dem Fenstersims stehen, um an die griechisch-orthodoxe Intoleranz zu erinnern.
In einer Frage waren sich die christlichen Gruppen allerdings einig: Juden hatten zur Kirche bis 1967 offiziell keinen Zutritt. Bei einer Überschreitung dieses Verbots drohte ihnen die Todesstrafe.
12. Januar 2010
Der berühmteste Hummus von Jerusalem
Ich hab schon verstanden. Die meisten Kommentare erhalte ich von Euch, wenn ich über Essen schreibe. Ein saftiges Steak ist nach einem langen Spaziergang anscheinend nützlicher als noch ein Absatz zur Geschichte der Stadt.
Hummus, eben jene bereits legendäre, beige Kichererbsenpaste, ist unangefochten eine israelische Nationalspeise . Israelis sind durchaus bereit, mehrere Stunden Fahrt in Kauf zu nehmen, nur um in irgend einer schummrigen Bude “ihren” Lieblingshummus mit einem Fladenbrot, also der Pita, vom Teller zu wischen. Interessanterweise steht nämlich anscheinend der Geschmack in umgekehrter Relation zur Hygiene des Kochs…. Jeder Israeli hat natürlich dabei seinen Lieblingshummus.

Willkommen bei Pinati
Eine der berühmtesten Hummusbuden Jerusalems ist zweifellos Pinati, (meine Ecke auf Hebräisch). Die israelische Hummuslegende begann 1975 an der Kreuzung King George und Histadrut Straße. Zwei Schwager funktioierten das Kaffeehaus ihrer Eltern zu einem Arbeiterrestaurant um. Die Erfolgsstory nahm ihren Lauf.
Zur Mittagszeit stehen heute zig Israelis Schlange, um einen Platz an den nur vier kleinen Tischen im Innern zu ergattern. Nicht nur Angestellte drängeln sich hier, auch die politische Oberschicht wie Ex-Premier Ehud Olmert reibt hier ihre Ellbogen in der Schlange, um einen der heiß begehrten Stühle zu ergattern. US-Präsident Bill Clinton ließ sich eigens eine Portion in seine Hotelsuite bringen.

Berühmte an der Wand von Pinati. Sogar Clinton hätte am liebsten hier gegessen.
Das liegt hauptsächlich am Geschmack, denn von einem freundlichen Service konnte lang nicht die Rede sein. Vielleicht eher im Gegenteil: lange war Pinati für einen rüden Kellner bekannt, der Paare Stühle an verschiedenen Tischen zuwies (das kann auch heute noch geschehen, wenn es überfüllt ist). Wenn ein Gast ihm angesichts des Andrangs draußen zu langsam aß, wurde eben jener Kellner auch mal unwirsch: “Das ist kein Restaurant hier!”, schrie er die Kunden schon mal an, und klopfte zur Betonung auf den Tisch. Sein unvergesslicher Satz: “Schlucken, schlucken, nicht kauen!” gehört zur Jerusalemer Folklore.
Israelis nahmen das alles gutmütig gelassen oder amüsierten sich darüber, schließlich gehören scheppernder Krach, Enge und Hektik zu einer guten Portion Hummus. Schließ0lich werden sie ja auch immer durch einen köstlichen, sähmigen, weißen Hummus entschädigt. Das Schnitzel vor Ort gehört meiner Meinung nach zu den besten des Nahen Ostens. Ganz zu schweigen von den anderen Gerichten…
Inzwischen ist Pinati Bourgeouis geworden. Der Hummusladen ist zu einer Kette geworden, die im ganzen Land Zweigstellen eröffnet hat. Hier kann man inzwischen gemütlich, ohne Eile oder Krach, einen guten Hummus essen. Doch im kleinen Restaurant im Herzen Jerusalems ist die Erfahrung und der Geschmack meiner Meinung nach am authentischsten.

Aussenansicht Pinati
Guten Appettit!












