Ich hab schon verstanden. Die meisten Kommentare erhalte ich von Euch, wenn ich über Essen schreibe. Ein saftiges Steak ist nach einem langen Spaziergang anscheinend nützlicher als noch ein Absatz zur Geschichte der Stadt.
Hummus, eben jene bereits legendäre, beige Kichererbsenpaste, ist unangefochten eine israelische Nationalspeise . Israelis sind durchaus bereit, mehrere Stunden Fahrt in Kauf zu nehmen, nur um in irgend einer schummrigen Bude “ihren” Lieblingshummus mit einem Fladenbrot, also der Pita, vom Teller zu wischen. Interessanterweise steht nämlich anscheinend der Geschmack in umgekehrter Relation zur Hygiene des Kochs…. Jeder Israeli hat natürlich dabei seinen Lieblingshummus.

Willkommen bei Pinati
Eine der berühmtesten Hummusbuden Jerusalems ist zweifellos Pinati, (meine Ecke auf Hebräisch). Die israelische Hummuslegende begann 1975 an der Kreuzung King George und Histadrut Straße. Zwei Schwager funktioierten das Kaffeehaus ihrer Eltern zu einem Arbeiterrestaurant um. Die Erfolgsstory nahm ihren Lauf.
Zur Mittagszeit stehen heute zig Israelis Schlange, um einen Platz an den nur vier kleinen Tischen im Innern zu ergattern. Nicht nur Angestellte drängeln sich hier, auch die politische Oberschicht wie Ex-Premier Ehud Olmert reibt hier ihre Ellbogen in der Schlange, um einen der heiß begehrten Stühle zu ergattern. US-Präsident Bill Clinton ließ sich eigens eine Portion in seine Hotelsuite bringen.

Berühmte an der Wand von Pinati. Sogar Clinton hätte am liebsten hier gegessen.
Das liegt hauptsächlich am Geschmack, denn von einem freundlichen Service konnte lang nicht die Rede sein. Vielleicht eher im Gegenteil: lange war Pinati für einen rüden Kellner bekannt, der Paare Stühle an verschiedenen Tischen zuwies (das kann auch heute noch geschehen, wenn es überfüllt ist). Wenn ein Gast ihm angesichts des Andrangs draußen zu langsam aß, wurde eben jener Kellner auch mal unwirsch: “Das ist kein Restaurant hier!”, schrie er die Kunden schon mal an, und klopfte zur Betonung auf den Tisch. Sein unvergesslicher Satz: “Schlucken, schlucken, nicht kauen!” gehört zur Jerusalemer Folklore.
Israelis nahmen das alles gutmütig gelassen oder amüsierten sich darüber, schließlich gehören scheppernder Krach, Enge und Hektik zu einer guten Portion Hummus. Schließ0lich werden sie ja auch immer durch einen köstlichen, sähmigen, weißen Hummus entschädigt. Das Schnitzel vor Ort gehört meiner Meinung nach zu den besten des Nahen Ostens. Ganz zu schweigen von den anderen Gerichten…
Inzwischen ist Pinati Bourgeouis geworden. Der Hummusladen ist zu einer Kette geworden, die im ganzen Land Zweigstellen eröffnet hat. Hier kann man inzwischen gemütlich, ohne Eile oder Krach, einen guten Hummus essen. Doch im kleinen Restaurant im Herzen Jerusalems ist die Erfahrung und der Geschmack meiner Meinung nach am authentischsten.

Aussenansicht Pinati
Guten Appettit!







