Jerusalem rückt ins Zentrum des Judentums

1.Tempel
1.Tempel

Die Herrschaft von König Josia fällt in eine Phase des Umbruchs. Das Reich der Assyrer zerfällt, die gewaltigen Ägypter scheinen gebannt. Angesichts der Blüte seiner eigenen Hauptstadt gibt der junge, ambitionierte König sich imperialen Fantasien hin. Seine Priester beginnen, die Bibel zu redigieren und schaffen damit das gedankliche „jüdisches Dreieck”, das den Status Jerusalems dauerhaft verankert und als religiöse Rechtfertigung für den geplanten Eroberungsfeldzug Josias dienen soll. Die Palastkapelle auf dem Berg Moriah wird zum Reichstempel.

Erster Bestandteil dieses Dreiecks ist die von Gott gewählte davidische Dynastie:„Ich habe dich genommen von den Schafherden, damit du Fürst über mein Volk Israel sein sollst [...] Dein Thron soll ewiglich bestehen” (2 Sam 8-16); zweiter die Bestimmung Jerusalems als einziger legitimer Wohnsitz Gottes:„Wenn nun der HERR, dein Gott, einen Ort erwählt, dass sein Name daselbst wohne, sollt ihr dahin bringen alles, was ich euch gebiete” (1 Kön 5,11). Der dritte ist der Anspruch des Judentums, nicht mehr nur Religion, sondern national-religiöse Besinnung, Schlachtruf in Dienste Josias zu sein.

Josia beginnt einen grausamen Kulturkampf. Damit handelt er bloß nach den Worten, die seine Priester im fünften Buch Moses festhalten:„Zerstört alle Orte, da die Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben [...] reißt um ihre Altäre und zerbrecht ihre Säulen und verbrennt mit Feuer ihre Haine, und die Bilder ihrer Götter zerschlagt, und vertilgt ihren Namen aus demselben Ort. (Deut 12, 2-3)

Fortan wird Jerusalem das einzige Heiligtum der Juden sein. Auch wenn in Zukunft in der Diaspora noch andere Tempel errichtet werden, behält Jerusalem das Primat.

 


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