Das heilige Feuer

Entschuldigt bitte die lange Funkstille - ich war mal wieder auf Vortragsreise. Übrigens - die ersten zwei Wochen im März werde ich wieder in Deutschland auf Reisen sein. Schaut doch auf meiner Homepage vorbei, vielleicht gebe ich ja einen Vortrag direkt in Eurer Nähe?

Heute mal wieder ein wenig zum Thema Geschichte: Spätestens seit dem Jahr 867 wird in der Grabeskirche jährlich zum griechisch-orthodoxen Ostersonntag das Ritual des Heiligen Feuers abgehalten. Kurz nach 13 Uhr wird in der Grabeskapelle ein Feuer entzündet und durch die Kirche gereicht, um an das Wunder der Auferstehung zu erinnern. Die Osterzeit ist oft von Spannungen geprägt. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, wer das Licht im Grab Jesu zuerst entzünden darf. Hunderte von Gläubigen versammeln sich schon Tage vorher und übernachten in der Kirche, um das Spektakel nicht zu verpassen und als erste am Heiligen Feuer teilhaben zu können. (Das ist übrigens eine tolle Erfahrung - man kann sich auch während des Jahres in der Kirche einsperren lassen und mit Gläubigen und Mönchen hier eine faszinierende Nacht verbringen)

Im Jahr 1834 kam es zu einer Tragödie, bei der mindestens 300 Menschen ums Leben kamen, als sie von den Massen in Panik nach der Zeremonie zertrampelt wurden. Auch heute noch kommt es dabei zu Gedränge: Laut Angaben der israelischen Polizei zwängen sich bis zu 6 Menschen pro Quadratmeter in die Kirche. Am Ostersonntag befinden sich zwei Hundertschaften im Gotteshaus, um Unruhen zu vermeiden, 2000 Polizisten sorgen jährlich vor der Kirche für Ordnung.

Vor den Millenniumsfeiern bereitete diese Situation den israelischen Behörden große Sorgen. Seit der Eroberung Jerusalems durch Saladin hat die Grabeskirche nur noch einen Eingang: Die anderen elf ließ der muslimische Herrscher zumauern. Seitdem befindet sich der Schlüssel zum einzigen Tor in der Obhut der Nusseibehs, einer muslimischen Familie. Als die Behörden 1999 vorschlugen, einen weiteren Notausgang zu bauen, kam es wieder zum Streit. Der Ausgang hätte sich bei den Griechen befinden sollen, die deswegen ein Anrecht auf den Schlüssel erhoben. Doch die Vertreter der anderen Kirchen wollten ebenfalls einen Schlüssel, damit nicht nur die Griechen nach Belieben Zugang zur Kirche haben sollten. Dem wollten aber die Griechen nicht zustimmen: Sollten die anderen ebenfalls Schlüssel besitzen, könne niemand gewährleisten, dass sie nicht des Nachts oder, Gott behüte, tagsüber durch den griechischen Teil der Kirche schlendern. Also ließen die Israelis die Idee vom Notausgang fallen. Nur ein Schlüssel verbleibt in den Händen des islamischen Torhüters, der morgens und abends auf ein kleines Leiterchen steigt, um die Kirche auf- und zuzuschließen. Er schläft direkt neben der Kirche: Im Brandfall ist sein sonst monotoner Job lebenswichtig.

Trotz der manchmal haarsträubenden Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Kirchen gibt es in Jerusalem natürlich auch positive Beispiele christlicher Bruderliebe: So wurde die Kirche der Nationen in Gethsemane mit ihrem beeindruckenden Mosaik von zwölf Staaten gemeinsam errichtet.




Jeden Freitag ne Demo

Solltet Ihr Freitagmittags mal gelangweilt sein, dann schaut doch einfach in Scheich Jarrah mal zur allwöchentlichen Demo vorbei. Die Volksfeststimmung vor Ort bietet allen etwas: ultra-militante Siedler, viele Polizisten, Anarchisten, Rentner und berühmte Schriftsteller wie David Grossmann, und natürlich unzählig viele Journalisten aus aller Welt, die verzweifelt nach Interviewpartnern suchen. Nur Palästinenser findet man wenig hier, sieht man mal von dem Maisverkäufer und ein paar Jungens ab, die fröhlich trommeln oder Stinkbomben in die Menge werfen.

Palästinensische Kinder trommeln in der Demo ist zwar laut, aber weitaus angenehmer als die Stinkbomben

Palästinensische Kinder trommeln in der Demo ist zwar laut, aber weitaus angenehmer als die Stinkbomben

Wenn Ihr mehr zum Hintergrund dieser Demos wissen wollt, schaut hier auf meiner Homepage vorbei. Ein bisschen Geschichte in anderem Kontext…


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Und immer wieder Essen….

Die Altstadt von Jerusalem ist immer für Überraschungen gut, sogar kulinarische. Vor allem im jüdischen Viertel findet man hier hauptsächlich billige Imbissstuben: Hummus, oder noch schlimmer: Pizza! Die meisten Restaurants sind völlig überteuerte Touristenfallen, vor denen man sich sehr in Acht nehmen sollte.

Restaurant Between the Arches von oben gesehen

Aber hier und da haben mutige Unternehmer selbst in der Altstadt Jerusalems beachtenswerte Restaurants eingerichtet. “Between the arches” ist eines der Etablissements, die man aufsuchen sollte.

Restaurant Between the Arches von oben gesehen

Auf ersten Blick erscheint die alte, umgebaute Zisterne wie eine weitere Touristenfalle. Hohe Preise, laute Atmosphäre, Fertigdesserts in der Kühltheke. Aber weit gefehlt. Das Essen ist hier so authentisch wie die Wände, die aus der Zeit der Mamluken stammen. Zu denen werde ich übrigens in einem anderen Blog mehr schreiben. Ich habe ja noch nicht einmal die Christen zu Ende besprochen…

Die hohen Preise erweisen sich als Täuschung: Sie sind nur zu teuer, wenn jeder allein eine Mahlzeit bestellt. Das sollte man hier auf keinen Fall tun, außer man besitzt das Aufnahmevermögen eines ausgehungerten Elefanten oder hat Spass daran, schwere Doggybags mit sich durch die Altstadt aufs Hotelzimmer zu schleppen. Auf jeden Fall teilen, und zwar MINDESTENS zu zweit, wenn nicht gar zu dritt, und schon sind die Preise mehr als fair, der Magen voll, und die Stimmung zufrieden. Die Bilder sollten ausreichen, um Euch Apettit zu machen.

Hauptspeise Lachs in Teriyaki Sauce

Hauptspeise Lachs in Teriyaki Sauce

Wirklich üppige Vorspeisen wie diese Foccacia sind ein Markenzeichen hier

Wirklich üppige Vorspeisen wie diese Foccacia sind ein Markenzeichen hier

Between the arches ist ein koscheres Restaurant direkt neben der Klagemauer, an der Grenze zum muslimischen Viertel. Also sucht es nicht an Feier- oder Samstagen auf. Auch an anderen Tagen ist sehr empfohlen, vorher anzurufen. Sehr oft speisen hier geschlossene Gesellschaften. Juden aus den USA und Frankreich buchen hier Monate im Voraus den ganzen Raum für ihre Barmitzvah Feiern. Glaubt mir, nichts ist frustrierender als nach einem langen Marsch durch die Altstadt hungrig vor geschlossenen Türen zu stehen und die Düfte, die aus dem Innern herausströmen, nur riechen zu dürfen!

Die al Aqsa Moschee im Sonnenuntergang

Die al Aqsa Moschee im Sonnenuntergang

Nach dem Essen kann man bequem zurück zur Klagemauer gehen, oder das Museum zu Fuße des Tempelbergs besuchen, oder einfach nur nach Hause fahren, um die Mahlzeit zu verdauen.

Beteavon!


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Auschwitz in Jerusalem

Die Außenansicht zeigt ein kleines, zweistöckiges Häuschen, umgeben von hohen Bäumen und einem kleinen Gärtchen mit Sitzbänken, auf denen sich die Mitarbeiter ausruhen können. Die Planzeichnung wirkt idyllisch, wäre da nicht der große Schornstein, der in die Höhe ragt. Erst ein Blick ins Innere zeigt, dass es sich bei dem Gebäude nicht um einen Bauernhof, sondern eines der Krematorien von Auschwitz-Birkenau handelt. Mehr als eine Million Menschen, die meisten davon Juden, wurden im größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Dank einer Schenkung der BILD-Zeitung des Axel-Springer Verlags werden die Pläne von nun an in der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgestellt. „Architektur des Mords“ heißt die Ausstellung, in der die Pläne der Tötungsstätte erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Sie wurde gestern anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages am 27. Januar feierlich eröffnet.

Yad Vaschem Direktor Avner Schalev in der neuen Ausstellung

Yad Vaschem Direktor Avner Schalev in der neuen Ausstellung

„Ich bin sehr froh, dass die Pläne endlich hier sind. Ich glaube nicht, dass es einen besseren Platz für sie gibt, als diese einzigartige Gedenkstätte Yad Vaschem“, sagte BILD-Chefredakteur Kai Diekmann bei der Eröffnungszeremonie, zu der neben Premierminister Benjamin Netanjahu und zahlreichen Ministern auch Holocaustüberlebende, Akademiker und Vertreter des diplomatischen Corps erschienen waren. Obschon die Nazis kurz vor Kriegsende versucht hatten, alle Beweise ihrer Gräueltaten zu beseitigen, fand die Rote Armee die Pläne. Während des Kalten Krieges wurden sie der Staatssicherheit der DDR übergeben. Nach der Wende galten sie als verschollen, bis sie dem Axel Springer Verlag zum Kauf angeboten wurden. Nachdem das BKA und das Bundesarchiv deren Authenzität bestätigt hatte, übergab Springer die Pläne vor einem Jahr Israels Premier Netanjahu.

„Die Pläne sprechen nicht, aber von den Wänden schreit der Schrecken. So einfach wie diese Zeichnungen wirken, so teuflisch ist die Tat, die sie planen“, sagt Yad Vaschem Direktor Avner Schalev. Die säuberlichen Entwürfe, manche von Reichsführer-SS Heinrich Himmler persönlich gegengezeichnet, seien das Resultat einer diabolischen Weltanschauung, die „die modernsten Mittel ihrer Zeit in den Dienst des Zivilisationsbruchs stellte.“ Auschwitz stelle den Übergang von der massenhaften Tötung vieler Juden zur systematischen, industriellen Vernichtung des jüdischen Volkes dar, sagte Schalev. Der Schrecken steckt im Detail. „L. Keller“, steht auf dem Plan für das Krematorium, der von einem polnischen Häftling gezeichnet wurde – Leichenkeller. Eine Rutsche wurde zwischen den Treppen eingeplant, um die Leichen der vergasten Juden auf diese Art zu den Öfen zu befördern. Beweis dafür, dass die Architekten der SS genau wussten, zu welchem Zweck sie die Anlage in Auschwitz planten. „Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein Architekt sich weigerte, weitere Vernichtungslager zu entwerfen“, sagt Schalev.

Detailansicht des Krematoriums

Detailansicht des Krematoriums

Für Israelis hat die Ausstellung anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar eine besondere Bedeutung. Eine Studie der Jewish Agency spricht von einer rasanten Zunahme antisemitischer Vorfälle im Jahr 2009, der höchsten Zahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Gegen die Leugner historischer Verbrechen muss genau auf dieselbe Art vorgegangen werden wie in einem Gerichtsverfahren – mit Beweisen“, sagte Premier Netanjahu. Zeitzeugen allein reichten nicht aus, deswegen seien die Pläne von Auschwitz so wichtig. Der neue Antisemitismus äußere sich oft als Hass gegen Israel. Klar brachten die Redner ein Gefühl der Bedrohung durch den Iran, der wiederholt die Vernichtung Israels gefordert hat, zum Ausdruck: „Wenn wir eins gelernt haben ist es, dass man Drohungen ernst nehmen muss“, sagte Bildungsminister Gideon Saar. „Die Welt muss das Böse konfrontieren wenn es noch klein ist“, forderte auch Netanjahu: „Man sollte daran denken, dass Pogrome zwar oft mit Juden beginnen, aber nicht aufhören.“


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