Jerusalem in muslimischen Augen - Muhammad macht den Anfang

Während das christliche Byzanz und das zoroastrische Persische Reich einander in einem Jahrhunderte andauernden Existenzkrieg erschöpften, entstand in der Halbinsel Arabiens eine neue Religion, die die Welt verändern sollte. Der Endkampf zwischen Khosrau II. und Heraklius endete nicht nur mit der vernichtenden Niederlage der Perser – auch Byzanz wurde vom Kampf ausgeblutet, die besetzten Völker mit Steuern für den Krieg ausgesaugt. Dies alles bereitete der kleinen Gefolgschaft Muhammads kurze Zeit später den Weg, um einen der erfolgreichsten Eroberungsfeldzüge in der Geschichte der Menschheit zu starten. Niemals wieder sollten so wenige Männer ein so großes Gebiet in so kurzer Zeit in ihre Gewalt bringen.Nach knapp 100 Jahren waren die Muslime von den Tälern Frankreichs bei Poitiers bis in das Mündungsgebiet des Indus in Zentralasien vorgedrungen.

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Jerusalem ist eine der wenigen Eroberungen, die für den Islam eine Sonderrolle übernehmen sollten. Es gilt heute nach den Städten Mekka und Medina als drittheiligster Ort auf Erden. Die Frage über die politische Herrschaft in Jerusalem mobilisiert die Massen in der gesamten islamischen Welt. In den Augen der Muslime ist der Begriff Jerusalem identisch mit der Altstadt und dem Haram Asch-Scharif, dem «gewürdigten Heiligtum». Der Begriff bezieht sich auf das Areal des Tempelbergs, auf dem heute der Felsendom und die al-Aqsa Moschee stehen. Für viele ist die Frage Jerusalems und besonders der Moscheen auf dem Haram gleichbedeutend mit Palästina geworden. Jerusalem ist nicht nur ein religiöses Zentrum: Es ist der urbane Mittelpunkt der Westbank und fungiert als politischer, wirtschaftlicher und geistiger Nabel des palästinensischen Volkes. So erklären Palästinenser freimütig: «Ohne Jerusalem wäre das Palästinenserproblem in den Augen der Araber völlig unwichtig.»