Manche Historiker verbinden mit dem Bau der Grabeskirche einen zentralen Aspekt der konstantinschen Wende. Das Christentum verwandelte sich von einer Religion der Verfolgten zu einem Machtinstrument des Kaisers. Dies veränderte auch den Charakter des Glaubens und sein Verhältnis zum Judentum.

Das Martyrion auf dem Golgathahügel in der Grabeskirche
Bis zum Bau der Grabeskirche und ihrer Einweihung unter Konstantin im Jahr 335 stand das Grab Christi und die Auferstehung im Mittelpunkt des Glaubens. Konstantin verlegte das Zentrum von der Anastasis zum Martyrion. Nicht mehr das Wasser der Auferstehung, sondern das Kreuz der Passion wurde zum zentralen Symbol des Jesus-Kults. Das hatte zwar den erfreulichen Nebeneffekt, das Konstantin fortan die Kreuzigung als Strafe in seinem Reich verbot. Für die Juden hingegen begann mit der Errichtung der Grabeskirche eine 1700 jährige Verfolgungsgeschichte. Denn damit, dass der Tod Jesu die Auferstehung überschattete, verbreitete sich auch die Auffassung, Juden seien Gottesmörder.
Schon die Evangelien machten die Juden, nicht Pilatus, für Jesus Tod verantwortlich. Die Kritik der Apostel im ersten Jahrhundert kam aber von innen. Sie sahen sich selbst als Juden, und verurteilten ihre Glaubensbrüder dafür, dass sie Jesus nicht annahmen. Als Heiden zu Christen wurden, wurde aus dem Bruderzwist tödliche Polemik. Es entstanden Legenden, dass die Juden das wahre Kreuz nach der Hinrichtung Jesu versteckt hätten. Das Kreuz galt dem Bischof von Milano Ambrosius (339-397) als Sinnbild der Niedertracht der Juden. Gemeinsam mit dem Kreuz hatten sie ihr Verbrechen verbergen wollen. Nur Dank schwerer Folter habe Helena einem Juden «das letzte Geheimnis seines Volkes» entreißen können. Damit sei die Hoffnung der Juden vernichtet.







