Erste Zerstörung der Grabeskirche

Die heutige Grabeskirche ist nur ein trauriger Abklatsch des prachtvollen Baus, den Konstantin vor 1700 Jahren errichten ließ.

Die ursprüngliche Kathedrale wurde im Jahr 614 von den Persern und Juden beschädigt. Juden waren bis dahin von Byzanz höchstens geduldet worden waren. Die Christen hatten den vom heidnischen Kaiser Hadrian eingeführten Brauch, Juden nur einmal im Jahr in die Stadt zu lassen, um die Zerstörung des Tempels zu beweinen, fortgeführt.

Nachdem die Muslime unter Saladin Jerusalem zurück eroberten, errichteten sie Minarette neben der Grabeskirche, um die Überlegenheit ihres Glaubens zu demonstrieren

Nachdem die Muslime unter Saladin Jerusalem zurück eroberten, errichteten sie Minarette neben der Grabeskirche, um die Überlegenheit ihres Glaubens zu demonstrieren. Hier ein Minarett, dessen Basis vorher ein Kirchturm der Johanniter gewesen war, neben dem Haupteingang.

Das Areal des Tempels ließen sie anscheinend zur Müllhalde verkommen. Sie sahen darin eine Bestätigung von Lukas’ Prophezeiung (21, 5-6):«Es wird die Zeit kommen, in welcher von dem allem, was ihr [vom Tempel] sehet, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde».

Der Eroberungsfeldzug des persischen Herrschers Khosrau II. brachte Byzanz fast zu Fall. Doch letztlich gelang es Kaiser Heraklius, die Perser, die sich schon fast im Besitz Konstantinopels gewähnt hatten, vernichtend zu schlagen. Im Jahre 630 zog er siegreich in Jerusalem ein und brachte die Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück in die Grabeskirche, deren Restaurierung anscheinend umgehend nach ihrer Zerstörung 614 begonnen hatte.

Die Eroberung durch die Muslime überstand sie unbeschädigt. Erst der fanatische fatimidische Herrscher Kalif al-Hakim bi amr Allah (996–1021) («Herrscher auf Geheiß Gottes») zerstörte den imposanten Bau im Jahre 1009 bis aufs Fundament, wie auch etwa rund 30 000 weitere Kirchen in seinem Herrschaftsgebiet. Der augenscheinlich psychisch labile al-Hakim, ein muslimisch erzogener Sohn einer Christin, sollte später erklären, göttlicher Herkunft zu sein, und begründete damit einen neuen Geheimglauben. Die Gruppe, die ihm folgte, spaltete sich vom Islam ab und wurde lange vom Islam als dem wahren Glauben abtrünnig verfolgt. Die Drusen harren bis heute der Rückkehr al-Hakims. al-Hakims barbarischer Akt war ein Affront für die christliche Welt und sollte Konsequenzen haben: Als rund 90 Jahre später zum ersten Kreuzzug aufgerufen wurde, war Vergeltung für das historische Übel einer der Gründe, die im Konzil von Clermont für die militärische Kampagne angeführt wurde.




Jerusalem in muslimischen Augen - Muhammad macht den Anfang

Während das christliche Byzanz und das zoroastrische Persische Reich einander in einem Jahrhunderte andauernden Existenzkrieg erschöpften, entstand in der Halbinsel Arabiens eine neue Religion, die die Welt verändern sollte. Der Endkampf zwischen Khosrau II. und Heraklius endete nicht nur mit der vernichtenden Niederlage der Perser – auch Byzanz wurde vom Kampf ausgeblutet, die besetzten Völker mit Steuern für den Krieg ausgesaugt. Dies alles bereitete der kleinen Gefolgschaft Muhammads kurze Zeit später den Weg, um einen der erfolgreichsten Eroberungsfeldzüge in der Geschichte der Menschheit zu starten. Niemals wieder sollten so wenige Männer ein so großes Gebiet in so kurzer Zeit in ihre Gewalt bringen.Nach knapp 100 Jahren waren die Muslime von den Tälern Frankreichs bei Poitiers bis in das Mündungsgebiet des Indus in Zentralasien vorgedrungen.

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Der Felsendom - das älteste islamische Bauwerk der Welt

Jerusalem ist eine der wenigen Eroberungen, die für den Islam eine Sonderrolle übernehmen sollten. Es gilt heute nach den Städten Mekka und Medina als drittheiligster Ort auf Erden. Die Frage über die politische Herrschaft in Jerusalem mobilisiert die Massen in der gesamten islamischen Welt. In den Augen der Muslime ist der Begriff Jerusalem identisch mit der Altstadt und dem Haram Asch-Scharif, dem «gewürdigten Heiligtum». Der Begriff bezieht sich auf das Areal des Tempelbergs, auf dem heute der Felsendom und die al-Aqsa Moschee stehen. Für viele ist die Frage Jerusalems und besonders der Moscheen auf dem Haram gleichbedeutend mit Palästina geworden. Jerusalem ist nicht nur ein religiöses Zentrum: Es ist der urbane Mittelpunkt der Westbank und fungiert als politischer, wirtschaftlicher und geistiger Nabel des palästinensischen Volkes. So erklären Palästinenser freimütig: «Ohne Jerusalem wäre das Palästinenserproblem in den Augen der Araber völlig unwichtig.»