3. Juli 2009
Rom will die strategisch wichtige Landbrücke zwischen Syrien und Ägypten nicht bloß beeinflussen, sondern beherrschen. Pompeius nutzt einen Bruderzwist im hasmonäischen Königshaus. Im Jahr 63 v. Chr. marschiert er als „Verbündeter“ eines der Amtsanwärter in Jerusalem ein und richtet ein fürchterliches Massaker an. Doch der römische Kandidat kann sich nicht halten. Der Krieg um die Thronfolge hat erst ein Ende, als der römische Senat den Idumäer Herodes zum König Judäas erklärt und dieser an der Spitze römischer Truppen im Jahr 37 v. Chr. erobert.
Die Hasmonäer mögen unbeliebt gewesen sein, Herodes jedoch war bei den Juden verhasst. Der Idumäer, dessen Volk erst wenige Jahrzehnte zuvor im Rahmen der hasmonäischen Feldzüge jüdisch wurde, wurde von vielen missbilligend als „Halbjude“ betrachtet. Dass er sich bei seiner von paranoider Grausamkeit gezeichneten Herrschaft auf römische Kurzschwerter stützte machte ihn nicht populärer. Um so mehr war er deswegen darum bemüht, sich durch den Aufbau Jerusalems und des Tempels als „wahrer Jude“ zu beweisen. Doch nicht nur bei den Juden will Herodes sich mit seiner Baukunst einschmeicheln, auch seinen römischen Gönnern widmet er große Bauprojekte. So entsteht die Stadt Cäsarea zu Ehren Kaiser Augustus. Sie wird Jaffa bald den Rang als wichtigste Hafenstadt Judäas ablaufen.
28. Juni 2009
Während die Ptolemäer aus Ägypten und Seleukiden aus Syrien um die Vorherrschaft im Nahen Osten ringen, hebt Rom bereits sein Haupt. Immer mehr bedrängt es die seleukidischen Herrscher Jerusalems, die nun begierige Blicke auf den Tempelschatz werfen. Sie pressen Judäa eskalierende Tributzahlungen ab, bis die Landbevölkerung gegen die hellenisierte Priesterelite rebelliert. Anlass zum Aufstand ist das Vorhaben Antiochus IV. „Epiphanes“ („Inkarnation Gottes“), dem sein Zeitgenosse Polybios den vielleicht passenderen Spitznamen „Epimanes“ („verrückt“) verpasste, eine Statue Zeus im Tempel aufzustellen.
Unter der Führung Judas dem Makkabäer wird die Fremdherrschaft 164 v. Chr. abgeschüttelt, sein Bruder Simon weiht 142 v. Chr. den Tempel in Jerusalem wieder einzig Jahwe. Damit begründet er die hasmonäische Dynastie, die dem Königreich Judäa eine 79-jährige Periode der Unabhängigkeit beschert und Jerusalem wieder zu einer nennenswerten Hauptstadt macht. Die Hasmonäer betreiben eine Expansionspolitik, in die sie die Priesterklasse einspannen, damit sie neu-eroberte Völker, wie die Idumäer, in Massen zu Juden erklären. Doch damit wächst bei den Puristen der Unmut, zumal die Hasmonäer das Amt von Hohepriester und König in Personalunion führen, obschon sie nicht dem davidischen Königshaus entspringen. Dem gebührt gemäß der alten Triade ja bekanntlich allein der Thron.
8. Juni 2009
König Davids Nachfolger Salomo errichtet einen Tempel, der in der Anfangsphase wohl eher die Rolle einer „Palastkapelle“ übernimmt. Jerusalem ist in dieser Zeit keine Großstadt im Herzen eines Imperiums, sonder wahrscheinlich eher ein größeres Bergdorf mit wenigen hundert Einwohnern. Nach Salomos Tod zerfällt das geeinte Reich. Das Nordreich Israel entfaltet sich schneller als Juda und wird zu einem Akteur in den regionalen Machtspielen. Der erste jüdische Tempel in Jerusalem ist dabei nur einer von vielen. Ähnlich wie die Reliquien im mittelalterlichen Europa sind Tempel nicht nur Symbole der Macht, sondern Dank der Pilger auch ein einträgliches Geschäft. Auch mit dem Monotheismus scheint es anfangs nicht weit her zu sein. Die Bewohner Jerusalems opfern noch dreihundert Jahre später auf „Bühnen“ den Göttern anderer Völker, Könige Judäas stellen im Tempel Götzen auf.
Die Bibel nennt uns einige Konkurrenztempel, die das wirtschaftlich mächtigere Nordreich Israel in dieser Zeit in Sichem, dem heutigen Nablus, in Dan und Beth El unterhält. Die Kappelle in Jerusalem wird in dieser Zeit immer weiter ausgebaut, vielleicht um es den Omriden in Sichem gleichzutun, die hier einen imposanten Tempel errichten. Der vollendete Bau in Jerusalem ist schließlich 30 Meter lang, zehn Meter breit und 15 Meter hoch. In seiner Mitte steht ein würfelartiges Gebäude mit einer Kantenlänge von zehn Metern, der Dvir, das Allerheiligste. Er beinhaltet den Tempelschatz und die Bundeslade mit den Steintafeln der zehn Gebote, die Moses laut der Bibel von Gott erhielt.

Den Weckruf aus dem historischen Winterschlaf erhält Jerusalem mit der Zerstörung Israels durch die Assyrer im Jahre 722 v. Chr. Schätzungsweise 5000 Flüchtlinge aus dem Norden bringen der Stadt, die zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich knapp 2000 Einwohner hat, einen massiven Aufschwung. Maximalisten sprechen für diese Zeit gar von 25000 Einwohnern. Jerusalem wird zur letzten Bastion des Jahwekults. Die nächsten 150 Jahre sind das einzige Mal in der Geschichte, dass die Gemeinde in Jerusalem die größte der Welt ist. In dieser kurzen Zeit geschieht Bedeutendes. Mit Zerstörung der Tempel im Norden wird Jerusalem Sitz der geistigen Elite. Priester, Philosophen und Propheten formulieren den jüdischen Glauben neu. Nach den gescheiterten Versuchen Hesekiahs initiiert König Josia (647-609 v. Chr.) eine Tempelreform, die letztlich das monotheistische Judentum mit Jerusalem im Zentrum begründet.