Israel im Madonnafieber

madonnaIsrael mag sich selbst als jüdischen Staat bezeichnen, trotzdem sorgt der Besuch des amerikanischen Popstars Madonna hier für große Aufregung. Ihre Beliebtheit ist hier so groß, dass selbst Premierminister Benjamin Netanjahu und Oppositionsführerin Tzippi Liwni die Gelegenheit nutzen wollen, mit ihr fotografiert zu werden, und sie deswegen zum Mittagessen eingeladen haben. Die Karten für das erste Konzert von Madonna, das am 1. September im Stadtpark von Tel Aviv stattfinden soll, waren so schnell ausverkauft, dass die Veranstalter gleich noch ein zweites Konzert anhängen mussten.

Zu den zwei Konzerten werden an die 100.000 Zuschauer erwartet, selbst der Preis von zwischen 100 und 500 € pro Karte schreckte die Israelis nicht ab. Sie alle wollen „ihre“ Madonna sehen. Die 50-jährige Sängerin ist zwar nicht jüdisch, hat sich aber öffentlich zur jüdischen Mystik, der Kabbala, bekannt und sich selbst den jüdischen Namen Esther gegeben. In einem Artikel erklärte sie vor kurzem in einer israelischen Zeitung, die Kabbala habe ihrem Leben erst die richtige Richtung gegeben. Selbst orthodoxe Rabbiner schlossen sich deswegen der allgemeinen Freude an, auch wenn sie die populäre Beschäftigung mit der „Geheimlehre“ der Kabbala allgemein verurteilen. Der Rabbiner von Safed, der nordisraelischen Stadt, in der der Überlieferung nach ein Großteil der Kabbala entstanden sein soll, begrüßte Madonna in einem Brief und bat sie, an den heiligen Stätten des Landes nur in angemessener Kleidung zu erscheinen.

Israel ist der letzte Stopp ihrer „sticky and sweet“ Tournee. Sie reiste mit ihren vier Kindern in einem Privatflugzeug an. Rund 200 Mitarbeiter nehmen vor Ort an der Show teil. Die erste Nacht verbrachte Madonna noch im Versteck ihrer Luxussuite im Tel Aviver Dan Hotel, die zweite Nacht jedoch war ihrem spirituellen Heil gewidmet. In der Nacht zum Montag besuchte sie die Klagemauer in Jerusalem. Die Klagemauer gilt Juden als der heiligste begehbare Ort auf Erden. Die Klagemauer ist die westliche Stützmauer des herodianischen Tempelbergs, auf dem vor zweitausend Jahren der jüdische Tempel stand. Hier lehrte laut den Evangelien auch Jesus.

Zig Fotografen drängten sich vor dem Eingang eines Tunnels, der unterirdisch an der Westseite des biblischen Tempelbergs entlangläuft, um ein Foto vom nächtlichen Besuch des Popstars zu erheischen. Doch Madonna gab vor Ort keine Presseerklärung ab und war nur sehr kurz zu sehen. Im Tunnel soll Madonna ein Gebet gesprochen und Kerzen angezündet haben. Später entsprachen ihre Begleiter angeblich auch ihrer Bitte, einen Steinbrocken von den Ausgrabungen an der Klagemauer mitzunehmen. Der Bitte des Rabbiners von Safed scheint die Sängerin, die nicht nur mit ihrem Gesang sondern auch für ihre sexuellen Eskapaden und skandalösen Auftritte bekannt wurde, größtenteils entsprochen zu haben – sie erschien an der Klagemauer mit einem schwarzen Kleid, dass gemäß jüdischer Vorschriften ihre Arme und Beine bedeckte.