Die Grabeskriche - Zentrum des Christentums

Es ist ein Paradox der Geschichte, dass gerade das Gebäude, das Konstantin als Wahrzeichen seines unter ihm geeinten Christentums errichten ließ, heute die tiefe Spaltung unter den Christen symbolisiert. Sechs christliche Gemeinschaften erheben hier Anspruch darauf, die einzig «wahrhaftige» Vertreterin des Glaubens zu sein: Griechisch-Orthodoxe, Armenier, die römisch-katholischen Franziskaner, Kopten, Syrer und Äthiopier.

Der Omphalos - der Nabel der Welt

Der Omphalos - der Nabel der Welt, im griechisch-orthodoxen Teil der Kirche. Man kann ihn übrigens verschieben.

Eifersüchtig ringen sie um jeden Zentimeter in der Grabeskirche. Um die häufigen Streitereien auf ein Minimum zu beschränken, zwang Sultan Abdülmecid 1852 allen Seiten den «Status Quo» auf, ein mehrerer hundert Seiten langer Kodex, der mit akribischer Genauigkeit vorschreibt, wer wann und wo beten darf. Doch selbst mit dem heute noch gültigen Status Quo können immer noch Konflikte entstehen, weil beispielsweise ein äthiopischer Mönch eine Treppe kehrt, die eigentlich die Griechen sauber halten sollen. Noch im Jahr 2005 führte eine halb geöffnete Tür zu Schlägereien zwischen Franziskanern und Griechisch-Orthodoxen, bei denen ein israelischer Polizist einen Zahn verlor. Bis zum heutigen Tag befinden sich in der Kirche ständig 14 israelische Polizisten im Dienst, um Handgreiflichkeiten unter Priestern, Mönchen und gläubigen Anhängern zu verhindern. Auch in diesem Jahr kam es wiederholt zu Reibereien zwischen den heiligen Männern in der Kirche.

Wie ein armenischer Priester mir hinter vorgehaltener Hand erzählte, müssen die Vertreter dieser Kirche eher mit Muskeln bepackt denn bibelfest sein, um eine Stelle in Jerusalem zu erhalten. So erhofft sich die armenische Kirche einen «handfesten» Vorteil bei den «theologischen» Auseinandersetzungen vor Ort. Auch für anderes unchristliches Verhalten der Mönche vor Ort gibt es Beispiele zuhauf. Manchmal stecken sie dabei mit fragwürdigen Fremdenführern unter einem Hut und lassen Spendengelder in selbst gefertigten Dosen verschwinden. Später teilen Mönch und Führer die «Spendengelder zur Restauration der Kirche» unter sich auf.




Unruhen auf dem Tempelberg - mal wieder

Leider muss ich eine kleine Pause mit meinen historischen Ausflügen machen, die aktuelle Lage zwingt mich dazu.

Wir Ihr vielleicht wisst, heizen Extremisten auf israelischer und palästinensischer Seite seit Wochen die Stimmung in Jerusalem an. Am Morgen kam es deswegen wieder zum Ausbruch von Gewalt. Israelische Polizisten wurden von Jugendlichen mit Steinen und einem Brandsatz angegriffen, daraufhin drangen sie in das Areal des Tempelbergs ein und nahmen 12 Palästinenser fest. Damit beruhigte sich die Lage aber nur kurzfristig, die Polizisten drangen später wieder unter Einsatz von Gewalt in das Gebiet des Haram a-Scharif, dem Tempelberg, ein, allerdings ohne in die al-Aqsa Moschee vorzustossen. Der Berg wurde von muslimischen Betenden geräumt.

So gern würde ich Euch jetzt ganz kurz erzählen, warum das Areal Juden und Muslimen als heilig gilt. Das erschöpfend und ausführlich zu tun, dafür werde ich noch ein paar Blogs benötigen. Vor zweitausend Jahren stand hier der jüdische Tempel, heute befindet sich hier die Al Aqsa Moschee, der drittheiligste Ort des Islams.

Heute steht die Kampagne um den Tempelberg im Mittelpunkt des Kampfes zwischen Israelis und Palästinensern, seine symbolische Bedeutung wird von beiden Seiten ständig weiter erhöht.

Seit Wochen fordern jüdische Extremisten mehr Rechte auf dem Berg. Islamisten haben eine Gegenkampagne gestartet und die Massen aufgerufen, die Moschee durch ihre Anwesenheit zu schützen. Im Jahr 2000 lösten Unruhen auf dem Tempelberg einen Aufstand der Palästinenser, die zweite Intifada aus, bei der mehr als 5000 Menschen ums Leben kamen. Also schaut aufmerksam weiter, was hier geschieht! Es könnte Konsequenzen für die gesamte Region haben.

Trotzdem will ich aber nicht, dass Ihr heute leer ausgeht. Deswegen ziehe ich heute eine Einführung über den Islam vor, wir machen später, je nach aktueller Lage, mit dem Christentum weiter. Viel Spass!