Erst im 20. Jahrhundert und nach dem Zivilisationsbruch der Schoa sollte die katholische Kirche einen neuen Pfad einschlagen. Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete auf Drängen Johannes XXIII. die Erklärung «Nostra Aetate» (In unserer Zeit), die den alleinigen Wahrheitsanspruch des Christentums beendete und einräumte, dass auch anderen Religionen von Gott inspiriert worden seien. Juden seien nicht «von Gott verworfen oder verflucht», ferner könne man die Kreuzigung Jesu «weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen». Damit begann die Kirche einen Schlussstrich unter 1800 Jahre Judenhass zu ziehen. Der historische Israelbesuch Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 machte auch den Juden klar, dass ein neues Kapitel in den schwierigen Beziehungen begonnen hatte, wenn sie auch bis heute noch oft und leicht von Krisen befallen werden.
29. Oktober 2009
Institutionalisierter Kirchenhass
So, nachdem sich die aktuellen Angelegenheiten in Jerusalem beruhigt haben (wahrscheinlich nur kurzfristig, aber immerhin), können wir wieder gemüsslich zurück in die Geschichte blicken.
Wir haben mit der Kirchengeschichte aufgehört, als Helena das Heilige Kreuz fand, indem sie seinen geheimen Aufbewahrungsort aus einem Juden herausfoltern ließ. Jetzt begann eine institutionalisierte Hetzkampagne gegen die Juden.
Im Jahr 337 durften Christen keine Juden mehr heiraten, 339 war der Übertritt zum Judentum strafbar. Christen wurde es verboten, von Juden ungesäuertes Brot entgegenzunehmen. Bischof Johannes Chrysostomos von Antiochien wetterte zwanzig Jahre später: «Eine Synagoge ist nicht nur ein Hurenhaus und ein Theater; sie ist eine Diebeshöhle, ein Lieblingsplatz wilder Tiere».
Schon 388 griff ein Mob, angeführt vom Bischof von Callinicus, die dortigen Juden an. Ambrosius drohte dem Kaiser mit dem Bann, falls er die Juden entschädigte. Im Jahr 414 löschte ein Pogrom die Gemeinde in Alexandria aus.
Augustinus von Hippo (354-430) legte mit seinen Schriften die theologische Grundlage für die Beziehungen zwischen Kirche und Juden bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Demnach waren die Juden allesamt am Tod Jesu schuld. Doch man dürfe Juden nicht töten. Papst Gregor I. (590-604) fasste dieses Urteil in ein Dekret. Die Juden sollten nicht ausgelöscht werden, sie hatten eine wichtige theologische Aufgabe zu erfüllen: durch ihr anhaltendes Elend sollten sie der lebende Beweis dafür sein, dass nur wer Christus anerkennt, Heil erfahren kann.







